Arbeit und Löhne weltweit
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Was „arbeitende Menschen“ allein nicht zeigen – drei Perspektiven auf die Erwerbsquote

Weltweite Statistiken zu Arbeit und Löhne im Zeitverlauf

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Die Erwerbsquote ist keine Statistik über „Menschen ohne Arbeitslosigkeit“

Wenn es um den Arbeitsmarkt geht, richtet sich der Blick häufig auf die Arbeitslosenquote. Doch da die Arbeitslosenquote nur Menschen erfasst, die Arbeit suchen, kann sie das gesamte gesellschaftliche Bild rund um Erwerbsarbeit nicht vollständig abbilden. Hier kommt die Labor force participation rate, also die Erwerbsquote, ins Spiel.

Dieser Indikator zeigt, wie groß der Anteil der „Erwerbsbevölkerung“ an der Bevölkerung ab einem bestimmten Alter ist. Zur Erwerbsbevölkerung zählen sowohl Menschen, die arbeiten, als auch jene, die Arbeit suchen. Daher wirkt sich eine große Zahl nicht arbeitender Menschen möglicherweise kaum auf die Arbeitslosenquote aus, wenn diese keine Arbeit suchen – auf die Erwerbsquote hingegen schon.

Anhand der Erwerbsquote lässt sich nicht nur die Zahl der Beschäftigten betrachten, sondern auch, wie viele Menschen in den Arbeitsmarkt eingebunden sind. Sie liefert damit Hinweise auf Veränderungen außerhalb der Beschäftigungsstatistik – etwa auf die Alterung der Bevölkerung, den Bildungsweg junger Menschen, familiäre Betreuung, den Gesundheitszustand oder gesellschaftliche Einstellungen zur Erwerbsarbeit.

Zuerst sollte man den Unterschied beim „Nenner“ prüfen

Auch wenn ein Indikator als „Gesamterwerbsquote“ bezeichnet wird, kann sich seine Bedeutung unterscheiden, wenn die zugrunde liegende Altersgruppe im Nenner eine andere ist. In den Daten der Weltbank finden sich sowohl Indikatoren, die die gesamte Bevölkerung ab einem bestimmten Alter erfassen, als auch solche, die sich auf eine Altersgruppe nahe dem erwerbsfähigen Alter konzentrieren.

Der erste Typ zeigt, wie die gesamte Gesellschaft – von jungen bis zu älteren Menschen – mit dem Arbeitsmarkt verbunden ist. Wenn der Anteil älterer Menschen steigt, kann sich der Gesamtwert verändern, selbst wenn sich an der Erwerbstätigkeit oder Arbeitssuche nichts ändert. Der zweite Typ konzentriert sich stärker auf die Altersgruppe nahe dem Erwerbsalter und erleichtert dadurch den Vergleich der Arbeitsmarktbeteiligung der Erwerbsbevölkerung.

Beim Vergleich von Ländern oder Regionen muss daher zunächst geprüft werden, welche Altersgruppe den Nenner bildet, bevor man die Höhe der Werte bewertet.

Betrachtungsweise des IndikatorsWas sich vor allem erkennen lässtZu beachten
Indikator mit der gesamten Bevölkerung ab einem bestimmten Alter als NennerBeteiligung der gesamten Gesellschaft am ArbeitsmarktWird von Alterung und Bevölkerungsstruktur beeinflusst
Indikator mit einer Altersgruppe nahe dem Erwerbsalter als NennerBeteiligung der Bevölkerung im ErwerbsalterDie Situation älterer und jüngerer Menschen tritt in den Hintergrund
Indikator für junge MenschenVerbindung zwischen Bildung und Arbeit, Beteiligung junger Menschen am ArbeitsmarktUnterschiede bei Bildungsbeteiligung und Berufsausbildung müssen berücksichtigt werden
Nach Frauen und Männern getrennte IndikatorenUnterschiede bei der Beteiligung nach GeschlechtUnterschiede sind in einem Gesamtwert schwer zu erkennen

Eine niedrige Erwerbsquote junger Menschen ist nicht unbedingt negativ

Die Erwerbsquote junger Menschen hängt eng mit dem Bildungssystem und dem Bildungsweg zusammen. In Gesellschaften, in denen viele Menschen eine Schule oder andere Bildungseinrichtungen besuchen, kann sich der Eintritt junger Menschen in den Arbeitsmarkt verzögern. Eine niedrige Erwerbsquote in dieser Altersgruppe bedeutet daher nicht automatisch, dass die Beschäftigungslage schlecht ist.

Umgekehrt bedeutet auch ein früher Eintritt junger Menschen ins Berufsleben nicht zwangsläufig, dass sie eine stabile Beschäftigung haben. Die Formen der Arbeitsmarktbeteiligung sind vielfältig: Dazu gehören Teilzeitarbeit, befristete oder vorübergehende Tätigkeiten sowie Arbeit neben der Ausbildung. Bei der Interpretation von Indikatoren für junge Menschen sollte daher nicht nur betrachtet werden, ob sie am Arbeitsmarkt teilnehmen, sondern auch Bildung, Berufsausbildung und die Stabilität der Beschäftigung.

Der Gesamtwert kann auch Unterschiede zwischen Frauen und Männern verbergen

Die Gesamterwerbsquote fasst die Situation von Frauen und Männern in einem einzigen Indikator zusammen. Deshalb können Länder mit ähnlichen Gesamtwerten bei der Beteiligung von Frauen und Männern dennoch deutlich voneinander abweichen.

Um diese Unterschiede sichtbar zu machen, bietet die Weltbank die Erwerbsquote von Frauen, die Erwerbsquote von Männern sowie einen Indikator an, der den Wert für Frauen mit dem Wert für Männer vergleicht. Damit lässt sich erkennen, ob die Beteiligungsmöglichkeiten hinter dem Gesamtwert ungleich verteilt sind.

Allerdings wäre es nicht angemessen, Unterschiede zwischen Frauen und Männern ausschließlich durch institutionelle Rahmenbedingungen oder individuelle Entscheidungen zu erklären. Mehrere Faktoren wirken zusammen und spiegeln sich im Ergebnis wider – etwa die Verteilung von Kinderbetreuung und Pflege, flexible Arbeitszeiten, Beschäftigungspraktiken sowie das Steuer- und Sozialversicherungssystem.

Nationale Schätzungen und ILO-Modellschätzungen haben unterschiedliche Aufgaben

Bei den Erwerbsquoten der Weltbank gibt es „national estimate“, also auf nationalen Statistiken basierende Schätzungen, sowie „modeled ILO estimate“, also modellbasierte Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation.

Nationale Schätzungen eignen sich vor allem dazu, die Situation auf Grundlage der Erhebungen und Statistiksysteme eines Landes zu erfassen. Modellschätzungen erleichtern dagegen internationale Vergleiche, auch wenn sich statistische Methoden und Datenlücken von Land zu Land unterscheiden.

Dass die beiden Werte nicht übereinstimmen, bedeutet nicht automatisch, dass einer von ihnen falsch ist. Die Unterschiede können auf abweichende Definitionen, Erhebungsmethoden, verfügbare Informationen und Schätzverfahren zurückgehen. Bei der Analyse sollten grundsätzlich Indikatoren derselben Art miteinander verglichen und Altersgruppe, Geschlecht sowie Schätzmethode aufeinander abgestimmt werden.

Quellen

https://data.worldbank.org/indicator/SL.TLF.CACT.NE.ZS

https://data.worldbank.org/indicator/SL.TLF.CACT.ZS

https://data.worldbank.org/indicator/SL.TLF.ACTI.ZS

https://data.worldbank.org/indicator/SL.TLF.ACTI.1524.NE.ZS

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https://data.worldbank.org/indicator/SL.TLF.CACT.FM.NE.ZS

https://data.worldbank.org/indicator/SL.TLF.CACT.MA.NE.ZS

https://data.worldbank.org/indicator/SL.TLF.CACT.FE.NE.ZS